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Unser Job: Rettungshunde-Einsatzteam

Wacher Blick, angespannter Körper: Nala will, dass es endlich los geht. Die 7-Jährge Vizsla-Hündin hält ihre Nase in den Wind, sie prüft, ob sie schon Witterung bekommt. Dann ziehe ich ihr die Kenndecke an, Leine sie ab und gebe ihr den Suchbefehl: „Apport Rescue!“  Nala spurtet los, sie liebt ihren Job: jeden Menschen zu finden,  der sich in unserem Suchgebiet  aufhält.

Heute ist es nur eine Trainingssuche.  Doch schon heute Nacht könnten wir – wenn wir mit unserer BRH-Rettungshundestaffel Kreis Pinneberg von der Leitstelle alarmiert werden – in einen Realeinsatz gehen. Für Nala wäre der „Job“ quasi derselbe, 40mal ist unsere Staffel in diesem Jahr schon in Sucheinsätzen nach Vermissten gewesen – nach dementen Senioren, Suizidanten, verirrten Kindern oder Unfallopfern.

2-3 Jahre dauert die Ausbildung eines Flächensuchhundes, wobei zweimal pro Woche trainiert wird plus zusätzliche Seminare zu Erste Hilfe, Kartenkunde, Einsatztaktik, Funken  etc.  –  dann folgt eine offizielle, umfangreiche Prüfung mit Verbandsrichter plus eine staffelinterne Einsatzüberprüfung unter Realbedingungen.  Danach darf man dann in Einsätze gehen – und muss jedes zweite Jahr die Prüfungen und Überprüfungen wiederholen.  Das Engagement in einer Rettungshundestaffel ist mehr als ein Hobby: Man muss sich darauf einstellen, an 365 Tagen im Jahr, bei Tag und Nacht, Wind und Wetter in Einsätze gerufen zu werden – und  das alles ehrenamtlich.

In der Zwischenzeit hat Nala große Teile des Suchgebietes abgearbeitet. In großen Achten läuft sie um mich herum, anhand der Glocke an ihrem Geschirr höre ich immer, wo sie gerade sucht – gerade kämpft sie sich durch ein hohes Farndickicht. Flächensuchhunde werden immer dann eingesetzt, wenn vermisste Menschen in größeren, unübersichtlichen Flächen vermutet werden. Sie sind deutlich schneller darin, eine Fläche abzusuchen, als Suchketten der Polizei. Ihre feinen Nasen mit mehr als 200 Millionen Riechzellen ermöglichen ihnen, etwa 40mal besser zu reichen als wir Menschen.

Plötzlich läuft Nala aus einem Fichtendickicht auf mich zu. Sie hat ihr orangefarbenes Bringsel im Fang, das sonst an einem Band um ihren Hals hängt.  Sobald sie eine Person entdeckt, nimmt sie dieses Bringsel auf und läuft damit zu mir – und zeigt mir damit, dass sie jemanden gefunden hat. Ich nehme ihr das Bringsel aus dem Fang, leine sie am Geschirr an und fordere sie auf „Zeig´s mir!“ – und schon läuft Nala mit mir hinten dran in das Fichtendickicht hinein – und tatsächlich: etwa 80 Meter entfernt, unter einem umgestürzten Baum, liegt das Trainingsopfer. „Gutes Mädchen“ lobe ich sie, und die Versteckperson wirft ihr ihren Futterbeutel zu – gefüllt mir gebratenen Hühnerherzen.  Einer der Gründe, warum Nala das „Finde den Menschen“-Spiel so liebt – ein Spiel, das im Ernstfall Leben rettet.   

 

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